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27. August 2019, 12:01 Uhr

ChinaSat 18: Anomalie nach geglücktem Start

Der chinesische Kommunikationssatellit ChinaSat 18 wurde am 19. August 2019 auf der geplanten Bahn im All ausgesetzt, funktionierte dann aber nicht wie vorgesehen. Der Start des Satelliten war vom Xichang Satellite Launch Center (XSLC) in der Provinz Sichuan aus erfolgt.

sasac.gov.cn

Bild vergrößernChinaSat 18 in Antennentestkammer
(Bild: sasac.gov.cn)
Befördert wurde der Kommunikationssatellit von einer dreistufigen Rakete des Typs Langer Marsch 3B/G2 (LM-3B/G2) bzw. Chang Zheng-3B/G2 (CZ-3B/G2). Die Variante 3B/G2 absolvierte hier ihre 30. Mission. Die Seriennummer der verwendeten Raketen ist Y58.

Der Start erfolgte am 19. August 2019 um 20:03 Uhr Pekinger Zeit, das ist 14:03 Uhr MESZ (12:03 Uhr UTC), von der Rampe Nr. 2 des Satellitenstartzentrums Xichang. Letzteres befindet sich in rund 65 Kilometern Abstand von der Stadt Xichang. Raketen der Varianten 3B wurden in der Vergangenheit zum Transport von Navigationssatelliten und geostationären Kommunikationssatelliten verwendet. Dem entsprechend sollte ChinaSat 18 auf einen Geotransferorbit (GTO) gebracht werden, was auch gelang.

Von der US-amerikanischen Weltraumüberwachung ermittelte Daten sprechen für eine Übergangsbahn mit einem Perigäum, dem der Erde nächsten Bahnpunkt, von rund 223 Kilometern über der Erde, einem Apogäum, dem erdfernsten Bahnpunkt, von rund 35.789 Kilometern und einer Neigung der Bahn gegen den Erdäquator von etwa 28,37 Grad. Bis dato scheint der Satellit seine Bahn um die Erde nicht aktiv verändert zu haben. Im Rahmen eines üblichen Ablaufs hätte er längstens mit Bahnanhebungsmanövern beginnen müssen.

Ob es dem Satelliten möglich sein wird, aus eigener Kraft die nach Angaben der China Satellite Communications Co., Ltd. (China Satcom) vorgesehene Position bei 115,5 Grad Ost im Geostationären Orbit (GEO) zu erreichen, ist nach derzeitigem Informationsstand zweifelhaft. Der dreiachsstabilisierte Satellit ist mit einer Reihe chemischer und elektrischer Triebwerke ausgestattet. Störungen im Betrieb machen ein Einfrieren von Treibstoffkomponenten an Bord möglich, was wiederum irreversible Schäden verursachen könnte.

Gemäß einer Reihe gleichlautender und ähnlich formulierter Mitteilungen in den chinesischen Staatsmedien sei der Start von ChinaSat 18 ein Erfolg gewesen, der Satellit sei nach dem Start „normal“ von der Trägerrakete abgetrennt worden. Nichtsdestotrotz arbeite der Satellit nicht normal, an der Fehlerbehebung werde gearbeitet. Gemeldet wurde zwischenzeitlich aber auch, dass der Versicherer des Satelliten bereits kontaktiert wurde und die Ermittlung der Schadenssumme begonnen habe. Das Versagen des Satelliten hat angeblich keine bedeutenden Auswirkungen auf das laufende Geschäft von China Satcom.

Gedacht ist der neue Satellit insbesondere zur Direktausstrahlung digitaler Radio- und Fernsehprogramme. Außerdem soll er mobile Breitbanddienste unterstützen und schnellen Zugriff auf das Internet bei hohem Gesamtdurchsatz an Bord des Satelliten ermöglichen. Zur Erfüllung seiner Aufgaben wurde ChinaSat 18 mit 30 Ku-Band-Transpondern ausgestattet. Außerdem besitzt das Raumfahrzeug Ka-Band-Transponder zum Betrieb von 14 Ausleuchtzonen für Mobile Satellite Services (MSS) und zwei experimentellen Ausleuchtzonen für Broadcast Satellite Services (BSS). Nach Angaben von China Daily wurden die insgesamt 41 Transponder an Bord von ChinaSat 18 vom französisch-italienischen Luft- und Raumfahrtkonzern Thales Alenia Space entwickelt und geliefert.

CAST

Bild vergrößernadressierte Empfangsgebiete von ChinaSat 16 (blau) und 18 (schraffiert)
(Bild: CAST)
Der Ausstrahlung von Signalen im Ka-Band via ChinaSat 18 hat für seinen Betreiber besondere Bedeutung. Zusammen mit dem 2017 ins All transportierten ChinaSat 16 und dem noch zu startenden ChinaSat 26 soll ChinaSat 18 in einem neuen chinesischen Satellitenkommunikationsnetz eingesetzt werden. Für das Bodensegment des neuen Netzes zeichnet nach eigenen Angaben das Unternehmen Gilat Satellite Networks Ltd. aus Israel verantwortlich.

Die Auslegungsbetriebsdauer des von der China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC) basierend auf dem chinesischen Satellitenbus DFH-4E aufgebauten Raumfahrzeugs liegt bei mindestens 15 Jahren. Die E-Variante wurde erstmals für ChinaSat 18 verwendet, insofern ist nicht auszuschließen, dass Probleme mit gegenüber bisherigen DFH-4-Satelliten veränderten Bordsystemen aufgetreten sind.

Die E-Variante soll nach Angaben aus China in vielerlei Hinsicht gegenüber den DFH-4-Vorgängern verbessert worden sein. Die Satellitengrundstruktur sei größer als die eines Standard-DFH-4. Die mögliche Gesamtkapazität des DFH-4-E liegt nach Angaben des Entwicklungsleiters des DFH-4E Shi Ming bei 30 Prozent über der der Vorgängersatelliten. Die Masse des neuen Satelliten bewegt sich im Bereich um 5.500 kg.

In einer Präsentation vom 21. November 2016 nennt Chinas internationale Vermarkterin von Trägerraketen und Satelliten, die China Great Wall Industry Corporation (CGWIC), für DFH-4E-Satelliten außerdem eine Nutzlastmasse von 900 kg, die Bereitstellung einer maximal möglichen elektrischen Leistung an Bord von 10 Kilowatt sowie einen typischen maximalen Gesamtdatendurchsatz von 90 Gigabit pro Sekunde.

ChinaSat 18 (CHINASAT-D-115.5E, CHINASAT-D18, Zhong xing 18 hao, 中星18号, ZX-18) ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 44.493 und als COSPAR-Objekt 2019-053A. Ein weiteres Objekt, die Oberstufe der Trägerrakete, ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 44.494 und als COSPAR-Objekt 2019-053B.

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Quelle: 9ifly.cn, CASC, China Daily, China Satcom, CGWIC, GILAT, mee.gov.cn, sasac.gov.cn, Sohu, Xinhua
Autor: Axel Nantes

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