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06. Januar 2019, 11:59 Uhr

Wiedereintritt für Frühwarnsatellit Kosmos 2.430

Der russische Frühwarnsatellit Kosmos 2.430 ist am 5. Januar 2019 im Bereich von Neuseeland wieder in die Erdatmosphäre eingetreten. Das Ereignis wurde verschiedentlich vom Boden aus beobachtet und in Bildern festgehalten.

Kosmos 2.430 war am 23. Oktober 2007 um 4:39 Uhr UTC (8:39 Uhr Moskauer Zeit) auf einer Molnija-M-Rakete von der Rampe 16/2 in Plesetsk im Norden Russlands aus gestartet worden. Gegen 5:35 Uhr UTC (9:35 Uhr Moskauer Zeit) wurde der Satellit dann nach Angaben staatlicher russischer Stellen im geplanten Orbit ausgesetzt. Um 6:15 Uhr UTC am 23. Oktober 2007 hatte das Kommando- und Messzentrum der russischen Weltraumstreitkräfte German Titow den Satelliten schließlich unter seine Fittiche nehmen können.

Zu Beginn seiner Lebensdauer zog Kosmos 2.430 auf stark elliptischer Bahn um die Erde. Die Nachrichtenagentur RIA Novosti vermeldete seinerzeit eine Bahn mit einem erdfernsten Punkt, dem Apogäum, von etwa 39.000 Kilometern über der Erdoberfläche und einem der Erde nächstliegenden Bahnpunkt, dem Perigäum, von rund 565 Kilometern. Die Neigung der Satellitenbahn gegen den Erdäquator betrug laut RIA Novosti 62,8 Grad, die benötigte Zeit für einen Erdumlauf 702 Minuten.

Die Startmasse von Kosmos 2.430 wurde auf 2.400 Kilogramm geschätzt, etwa die Hälfte davon soll mitgeführter Treibstoff ausgemacht haben. Der dreiachsstabilisierte Satellit soll vier Triebwerke für Orbitmanöver und sechzehn Lageregelungstriebwerke besessen haben. Die Entwicklung dieses Satellitentyps sowie des Frühwarnsystems und erste Starts erfolgten bereits in den 1970ern.

Seit Beginn der 1980er Jahre wurden Satelliten des Typs US-K regelmäßig eingesetzt, um Raketenstarts, insbesondere solche der Vereinigten Staaten von Amerika, festzustellen und zu orten. Für eine sinnvolle Beobachtung rund um die Uhr werden mindestens vier Satelliten benötigt, da sie auf ihren hochelliptischen Bahnen nur etwa sechs Stunden die Landmasse der USA beobachten können.

Zum Zeitpunkt seines Starts galt Kosmos 2.430 bereits als veraltet. Das hatte auch RIA Novosti mit Datum vom 24. Oktober 2007 gemeldet, und berichtet, dass nicht ausreichend viele Satelliten gestartet würden und sich die Etablierung des Nachfolgesystems EKS (Единой космической системы bzw. Jedinaja Kosmitscheskaja Systema) verzögere.

Als Kosmos 2.430 – Auslegungsbetriebsdauer vier Jahre - ins All gelangte, arbeitete nur ein weiterer Frühwarnsatellit, Kosmos 2.422, auf einem hochelliptischen Orbit (highly elliptical orbit, HEO). Außerdem gab es einen Satelliten im geostationären Orbit (GEO) bei 12 Grad Ost rund 35.786 Kilometer über dem Erdäquator.

Im Mai 2012 blieben vorher übliche Bahnkorrekturmanöver vom Kosmos 2.430 aus, und er begann, seinen vormaligen Arbeitsorbit zu verlassen. Damit gab es im Frühsommer 2012 nur drei HEO-Satelliten auf korrekten Einsatzorbits (Kosmos 2.422, Kosmos 2.446, und Kosmos 2.469). 2014 fiel schließlich das letzte Raumfahrzeug aller gestarteten US-K und US-KMO-Satelliten aus.

Der schließlich nicht mehr nutzbare Kosmos 2.430 erfuhr deutliche Bahnänderungen, bis sein Wiedereintritt vorhersehbar und der dafür zu erwartende Zeitpunkt zuletzt recht gut zu prognostizieren war. Auf aerospace.org beispielsweise wurde zuletzt ein Wiedereintritt für den 6. Januar 2019 um 1:25 Uhr UTC ± 18 Stunden vorhergesagt.

Verschiedene Satellitenbeobachter berichten vom erfolgten Wiedereintritt. Auf Satflare.com heißt es beispielsweise, der Wiedereintrittsei sei am 5. Januar 2019 erfolgt. Die Quelle zeigt ein Fenster für den Wiedereintritt, in dessen ungefährem Zentrum die Neuseeländische Großstadt Auckland liegt. Marco Langbroek schrieb im SatTrackCam Leiden (b)log, dass über Neuseeland am Himmel feurige Spuren des Wiedereintritts zu beobachten waren. Bilder, die bei einer Fernsehübertragung eines Kricket-Spiels in Neuseeland zufällig entstanden, sprechen für einen Zeitpunkt des Wiedereintritts am 5. Januar 2019 gegen 7:58 Uhr UTC (Weltzeit).

Kosmos 2.430 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 32.268 und als COSPAR-Objekt 2007-049A.

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Quelle: aerospace.org, Marco Langbroek, RIAN, RN, Satflare.com
Autor: Thomas Weyrauch

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