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05. Juni 2021, 14:53 Uhr

SpaceX startet Dragon-Kapsel zur ISS

Nachdem es am Starttag zunächst nicht danach aussah, als würde das Wetter mitspielen, sorgte eine Verbesserung in den letzten eineinhalb Stunden vor dem Liftoff dafür, dass die Falcon 9 mit der Cargo-Dragon-Kapsel um 19:29 Uhr MESZ am 03. Juni 2021 erfolgreich von Startrampe LC-39A des Kennedy Space Centers in Florida abheben konnte. An Bord der unbemannten Versorgungskapsel mit der Missionsbezeichnung CRS-22 befinden sich neben zwei neuen Solarpaneelen umfangreiche Ausrüstung sowie Experimente. Die Ankunft an der ISS wird gegenwärtig für Samstag, 05. Juni, um 11 Uhr deutscher Zeit erwartet.

NASA via SpaceX

Bild vergrößernLiftoff für die Versorgungsmission CRS-22 auf Falcon 9, welche ihren 120. Start absolvierte.
(Bild: NASA via SpaceX)
Erstmals dieses Jahr setzte das US-amerikanische Unternehmen SpaceX bei diesem Flug eine neue Erststufe ein, die die Bezeichnung B1067 trägt. Auch die Cargo-Dragon-Kapsel war neu (die zweite von drei geplanten Cargo-Kapseln der zweiten Generation, die Erste kam bei CRS-21 erstmalig zum Einsatz), wird aber, aller Voraussicht nach, ebenfalls zu einem späteren Zeitpunkt erneut zum Einsatz kommen. Auch das bisher bei Starts für die NASA immer durchgeführte Static Fire, bei dem mittels einer kurzen Zündung der neun Erststufentriebwerke auf der Startrampe das korrekte Funktionieren der Rakete überprüft wird, entfiel, nachdem NASA und SpaceX zu dem Schluss kamen, dass die deutlich längere Testzündung der Stufe auf dem unternehmenseigenen Testgelände in McGregor, Texas, ausreiche.

So erwachten die 9 Merlin-1D-Triebwerke erst zum tatsächlichen Start wieder zum Leben und beschleunigten die Rakete rund zweieinhalb Minuten auf Kurs zur ISS bevor die Abschaltung der Triebwerke und die Abtrennung der zweiten Stufe erfolgte. Während das einzelne vakuumoptimierte Merlin-Triebwerk der Zweitstufe den Cargo-Dragon weiter gen Orbit beförderte, zündete die Erststufe erneut, um sich auf Kurs zum, für die Landung bereitstehenden, Drohnenschiff „Of Course I Still Love You“ zu bringen.

Da die Cargo-Dragon-Kapseln der Version 2 deutlich schwerer sind als die anfänglich verwendeten, kommt eine Landung auf der dafür geschaffenen Fläche am Cape Canaveral aus Performancegründen nicht mehr in Frage. Nichtsdestotrotz gelang die Landung der Erststufe, die bei ihrem nächsten Einsatz im September im Rahmen der Inspiration-4-Mission eine CrewDragon mit vier Personen an Bord in den Orbit transportieren soll. Kurz nach der erfolgreichen Landung erfolgte die erste Triebwerksabschaltung der Zweitstufe 8:50 Minuten nach dem Start, die, zusammen mit Dragon, zu dem Zeitpunkt bereits einen stabilen Orbit erreicht hatte. Zwölf Minuten nach dem Liftoff erfolgte dann die Abtrennung der Kapsel, die sich mit ihren bordeigenen Triebwerken nun der ISS für das für Samstag geplante Dockingmanöver nähern wird. Die Zweitstufe führte später eine erneute Zündung durch, um ihren Orbit zu senken und so einen schnellen Wiedereintritt dieser Stufe im pazifischen Ozean zu gewährleisten.

Boeing via NASA

Bild vergrößernKünstlerische Darstellung der ISS mit den sechs neuen ausrollbaren Solarmodulen, die einen Teil der alten überdecken. Insgesamt soll so die verfügbare elektrische Energie um rund 20 bis 30 Prozent gesteigert werden.
(Bild: Boeing via NASA)
Die Nutzlast
Die nach Gewicht bedeutendste Nutzlast an Bord der Kapsel stellen die zwei im hinteren, Trunk genannten, nicht druckbeaufschlagten Teil transportierten IROSA-Solarpaneele (ISS Roll Out Solar Arrays, ausrollbare Solarzellen für die ISS) mit rund 1.400 Kilogramm dar. Insgesamt ist geplant, sechs solcher Solarpaneele verteilt auf drei Cargo-Dragons zur ISS zu transportieren und sie über den alternden ursprünglichen Modulen zu platzieren. Da die neuen Elemente weitaus mehr Strom liefern als durch die Bedeckung der alten wegfällt, wird die insgesamt verfügbare elektrische Energie deutlich zunehmen. Das jetzt zur Raumstation gebrachte Modulpaar soll durch den Roboterarm ausgeladen und anschließend bei zwei Weltraumspaziergängen, die für den 16. Juni und 20. Juni geplant sind, installiert werden.

Der druckbeaufschlagte Teil in der Kapsel trägt zu 1.948 Kilogramm der insgesamt 3.328 Kilogramm Nutzlast an Bord bei und setzt sich neben Versorgungsgütern (341 Kilogramm; neben den Standard-mahlzeiten unter anderem auch frische Äpfel, Orangen und Tomaten), Ausrüstung für Weltraumspaziergänge (52 Kilogramm) sowie sonstiger Ausrüstung (403 Kilogramm) auch aus 920 Kilogramm an wissenschaftlichen Experimenten zusammen. Darunter befindet sich unter anderem ein Experiment, das untersuchen soll, inwieweit sich die Bedingungen eines Raumfluges auf die Interaktion zwischen Mikroben (in diesem Experiment Bakterien) und ihren tierischen Wirten (hier Bobtail-Tintenfische, Euprymna scolopes) auswirkt.

Ein weiteres Experiment namens TICTOC (Targeting Improved Cotton Through On-orbit Cultivation, Verbesserte Baumwolle durch Anbau im Orbit) befasst sich damit, wie es gelingen könnte, bessere Baumwolle bei gleichzeitig reduziertem Ressourceneinsatz herzustellen.

Doch nicht nur Tintenfische, auch Bärtierchen befinden sich an Bord der Dragon-Kapsel. Da diese Tiere auch extreme Umgebungen tolerieren können, möchte man mit dem „Cell Science-04“-Experiment jene Gene identifizieren, die an ihrer Anpassung und ihrem Überleben in hochbelasteten Umgebungen beteiligt sind.

Es ist geplant, dass die Kapsel rund einen Monat an die ISS angedockt verbringt, bevor sie mit neuer Nutzlast zur Erde zurückkehrt und, wie ihre Vorgängerin, vor der Küste Floridas wassert.

Der nächste Flug einer Falcon 9 wird hingegen nicht so lange auf sich warten lassen; bereits für Sonntag, den 6. Juni zwischen 6:26 und 8:25 Uhr MESZ hat SpaceX den Start des US-amerikanischen Satelliten Sirius SXM-8 in einen geostationären Transferorbit angekündigt.

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Quelle: Boeing, NASA, SpaceX
Autor: Patrick Schemel

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